„Der Saal mit den blauen Stühlen…“

Mitte Juli besuchte mich die Betreuungsgruppe Spandau der Johanniter Unfallhilfe Berlin e.V. im Deutschen Bundestag. Sehr viele Gruppen habe ich in den letzten Jahren in den Deutschen Bundestag eingeladen. Antje Kolbusa von der Johanniter Unfallhilfe hat nach dem Besuch einen sehr schönen Text über den Besuch bei mir geschrieben und diesen im aktuellen Newsletter der Johanniter veröffentlicht. Mit freundlicher Genehmigung darf ich den Text hier veröffentlichen.

„Der Saal mit den blauen Stühlen…“

Auf Einladung des Bundestagsabgeordneten Kai Wegner (CDU/CSU) besuchten am 18. Juli die Betreuungsgruppe für Jugendliche und Erwachsene und die außerschulische Hortbetreuung aus Spandau den Berliner Reichstag. Anderthalb Stunden wurden die Kinder und Jugendlichen durch das Paul-Löbe-Haus und den Reichstag begleitet und mit ihren Rollstühlen geschoben, persönlich geführt durch Kai Wegner, dessen Wahlbezirk in Spandau ist.

Sichtlich erfreut kommt pünktlich auch Kai Wegner, um seine Gäste aus Spandau zu begrüßen. Der Abgeordnete kennt uns bereits, hatte er uns doch an unseren Standorten in Spandau schon häufiger besucht. Erste Fragen dürfen gestellt werden: „Treffen wir Frau Merkel? Gehen wir ins Bundeskanzleramt? Wie hat Frau Merkel gestern ihren Geburtstag gefeiert?“ Leider war derzeit ein Besuch des Bundeskanzleramts nicht möglich. Aber vielleicht nächstes Jahr. Noch einige weitere Erklärungen und los ging die Besichtigungstour.

Im Sitzungssaal des Ausschusses für Verkehr, Bau und Stadtentwicklung, erklärte Kai Wegner, dass das Sitzen und Diskutieren im Kreis sehr angenehm sei, jeder schaut dem anderen in die Augen und man ist immer freundlich zueinander – auch wenn man eine andere politische Meinung hat. Sollten sich die Teilnehmer doch einmal vergessen, kommen technische Tricks zum Einsatz.

Wenn alle Ausschussmitglieder gleichzeitig in die Platzmikrofone reden, kann der Sitzungsleiter per Knopfdruck die Mikrofone stumm stellen. „Schöne wäre, wenn wir in unserer Einrichtung auch manchmal einen solchen Knopf hätten“, flüstert leise eine Betreuerin.

Weiter ging es durch die Katakomben des Paul-Löbe-Haus in den Reichstag. Inzwischen haben sich die Teilnehmer der Betreuungsgruppe und die Kinder des Horts angefreundet. Es ist selbstverständlich, dass man sich gegenseitig hilft, aufeinander wartet und den Rollstuhl schiebt.

Uns zieht es in Richtung des Hintereingangs des Reichtages. Hier erklärte Kai Wegner, wie sein Arbeitsalltag als Politiker abläuft. Er erzählt, dass jeder Tag einer Sitzungswoche damit beginnt, dass er sich in einer Anwesenheitsliste einträgt. Dann zeigt er auf eine Uhr, an der eine weiße und eine rote Lampe angebracht sind. In den Sitzungswochen gibt es Termine, an denen die Politiker über Gesetze abstimmen. Die Uhren mit den Lampen signalisieren, dass eine Abstimmung bevor steht und man sich auf den Weg ins Parlament machen muss. Leuchtet die rote Lampe, ertönt auch noch eine laute Sirene, dann wird es Zeit, zu rennen, um pünktlich zur Abstimmung zu erscheinen. Abstimmungstermine sind Pflichttermine – wer nicht kommt, muss zahlen. Pro versäumter Abstimmung 100 Euro. Da an einem Tag durchaus 10 Abstimmungen stattfinden können, kann Fehlen eine teure Angelegenheit werden.

Nach einem kurzen Besuch des Andachtsraums, gelangen wir endlich zu dem Saal mit den „blauen Stühlen“ – dem Plenarsaal. Es war klar, dass wir hier keinen Eintritt haben werden, aber die Perspektive ist für viele Teilnehmer atemberaubend. Wir schauen uns die Türen mit dem „Ja“, „Nein“ und „Enthaltung“-Aufschriften an, die Türen des sogenannten Hammelsprungs. Kai Wegner erklärt wie das funktioniert, so dass es alle verstehen. Wir steigen weiter auf, Richtung Reichstagskuppel. Dass das Parlament in der Sommerpause ist, können wir an den vielen Baustellen in den besuchten Gebäuden sehen. Leider wird auch der Fraktionsraum der CDU/CSU renoviert – schade, denn einige von uns hätte mal gerne Platz auf dem Stuhl von Frau Merkel genommen.

Zum guten Schluss erreichen wir die Aussichtsplattform, die Reichstagskuppel. Kai Wegner verabschiedet sich von uns, er muss weiter, hat noch einen wichtigen Termin bei einem Arbeitgeber in Berlin, da will er für mehr Ausbildungsplätze werben. Wir sind begeistert, vor allem davon, dass wir alles verstanden haben. Wir sind glücklich und besteigen die Kuppel und werden mit einer atemberaubenden sommerlichen Berlin-Ansicht belohnt. Die Hortkinder entscheiden noch dort zu bleiben, um dem Parlament noch etwas auf den Kopf herum zu tanzen. Der Rest flieht vor der Berliner Sommerhitze.


Text: Antje Kolbusa, Johanniter Unfallhilfe Regionalverband Berlin
Fotos: Jadwiga Kusch und Holger Gockel, Johanniter Unfallhilfe Regionalverband Berlin
Weitere Informationen: www.johanniter.de